Der kleine Prinz

Das „Freie Theater Bozen“ mit dem Märchen für Erwachsene


Beitrag von Peppe Mairginter, Südtiroler Theaterverband


In den Märchen hat sich die wahre Geschichte der Menschen niedergeschlagen. Aus ihnen lässt sich, wenn auch nicht vollständig, der Sinn des Lebens erahnen. „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ist so ein Märchen und es hat alle Eigenschaften, dem Publikum sinnstiftende Botschaften zu vermitteln.

Der kleine Prinz trifft mitten in der Wüste auf einen notgelandeten Piloten. So beginnt eine wunderbare Geschichte über Menschlichkeit und Freundschaft, die mit ihrer leisen Poesie die pragmatische Sichtweise unserer Zeit widerlegt. Der kleine Prinz erzählt von seiner Reise von Stern zu Stern und von seinen Begegnungen mit dem König, der Geschäftsfrau, dem Geograf und dem Weichensteller, die zur traurigen Karikatur ihrer selbst werden.

Das Freie Theater Bozen rührt zum ersten Mal dieses Theatergenre an und gibt dem kleinen Prinzen einen ganz besonderen Charme. Die wunderbare Rebecca Halm kommt als der kleine Prinz daher, wie man ihn scheinbar schon hunderte Male in Abbildungen und Illustrationen gesehen hat. Gabi Langes und Christoph Morais Fortman interpretieren die übrigen Protagonisten und bezaubern durch Empathie und Spielwitz. Die denkbar einfache Bühne (erhöhte Spielfläche mit einer Art Thron und Sofa genutzt als abgestufte Ebenen unter einem Tuch) schmiegt sich wunderbar in den Hof der Fahlburg in Prissian ein. Das Musikensemble (Akkordeon, E-Bass und Percussion) unter der Leitung von Stefan Geier hält die Spannung mit anfangs gewöhnungsbedürftigen, aber immer intensiveren Tönen am Laufen.

In den harmonisch wirkenden Spielszenen werden die Botschaften von Antoine de Saint Exupéry, die auch nach 80 Jahren keine Abnutzungserscheinungen haben, behutsam ins Publikum getragen. Nicht nur die bekannteste Sentenz: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" gehört zum Vermächtnis des Autors, auch Sinnsprüche wie “Vertrau dem Leben, mach dir den Menschen zum Freund!“ und “dass man Verantwortung übernimmt, wenn man eine Beziehung zueinander eingeht und sich gegenseitig zähmt“ machen die Geschichte um den kleinen Prinzen zum Abenteuer.

Eine Inszenierung, die als Kritik an der Erwachsenenwelt und an der Konsumgesellschaft gesehen werden kann, in der die „großen Leute“ allein Äußerlichkeiten als Weltmaßstab anerkennen und kulturell gewachsene, zwischenmenschliche Werte in den Hintergrund treten.

Und ganz nebenbei kommt einem nach dem Genuss von Reinhard Auers Inszenierung das Kästner-Zitat in den Sinn: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“.





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